Shahar Binyamini

Text by Elisabeth Obermeier

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Wall to Wall

Electrical outlets used to be placed in the centre of the wall of a room. They signified something beyond their functionality through their visibility. An outlet, a light switch, interfaces between a user and a technical process, rendering these proccesses invisible, paradoxically were the sparks of attention in the domestic space. Power channels and cables run through places and organize space and time, not only through the spatial distance between communicating actors, but because of their own materiality. Spatial relations lie between the ends of a cable.

As wireless and dimensioneless mobile media and digital culture and communication seem, as abounding the vision of redundancy of space and geography through immaterial transmittance, as blurry and undefinable subject­object­relations become, questions of interaction and accessibility are highly socially integrated and highly locative – there is a relevant intersection of physical and digital space. The question would be how this affects our conception of proximity and distance. What's going on on the other side of the wall?

In the history of technology and the history of machines, the analogy of the „organism“ of a technical system has proven to be compelling. Communication systems and nervous systems, memory centres, growth, sensory experience, extensions of the whole and protheses – living and technical systems love to be fused, we jump to ecological vocabulary, just as biology borrowed its metaphors from physics. An endless vertebral column with its complexity of articulate vertribrae represented by knuckles becomes a mechanical system, an ant colony might qualify as a megamachine.

Despite the immediacy media imply, anything immediate does not require a medium. Likewise, a medium cannot be immediate, as its interventive and communicative quality between two related elements would be redundant and annhile the seperation.[1] All the same, this imagined and desired unintermediateness shapes our practices and phantasies. Beneath the smeary black mirror of the touchpad, begging tactility and sensory handling of operations and buttons, the processes triggered inside the device are rendered even more invisible than by pressing a lever or hitting a light switch.

The materiality of transmitting devices is scattered throughout the exhibition space. In mediations between the economic and the aesthetic, inside and outside, the object, the (absent) body and the room, different levels of (in)visibility, permeability, and (im)meadiacy perturbate.

[1] Florian Sprenger, Medien des Immediaten. Elektrizität – Telegraphie – McLuhan. p. 10.

Wall to Wall

Es gab eine Zeit, zu der Steckdosen in die Wandmitten gesetzt wurden. In betonter Sichtbarkeit stand die Steckdose für etwas, das über ihre Funktionalität hinaus ging. Steckdosen, Schalter und Hebel – Schnittflächen zwischen Nutzer und technischem Prozess, die dazu dienen, letzteren unsichtbar zu machen, standen so paradoxerweise im Zentrum des domestischen Raumes. Kanäle und Kabel überzogen Orte und organisierten Raum und Zeit, nicht nur durch die überwundene Distanz zwischen kommunizierenden Akteuren, sondern auch durch ihre eigene Materialität. Räumliche Relationen liegen zwischen den Enden eines Kabels.

So wireless und dimensionslos mobile Medien und digitale Kulturen und Kommunikationsformen scheinen, so verbreitet die imaginierte Überwindung von Raum durch immaterielle Übertragung, so unscharf und undefinierbar Subjekt-Objekt-Relationen werden, bleiben Interaktion und Erreichbarkeit stark soziale und lokalisierte Angelegenheiten – es gibt relevante Knotenpunkte zwischen physischem und digitalem Raum. Die Frage ist zu stellen, wie sich angesichts dieser Tatsache Vorstellungen von Nähe und Ferne verschieben. Was passiert auf der anderen Seite der Wand?

In der Technik-und Maschinengeschichte des 20. Jahrhunderts hat sich die Analogie eines Organismus für die Beschreibung technischer Systeme als verlockend erwiesen. Kommunikations-und Nervensystem, Gedächtnis, Wachstum, sensorische Wahrnehmung, Ausweitungen des Ganzen und Prothesen – lebendige und technische Systeme lieben es, zusammengebracht zu werden, wir stürzen uns dazu auf das Vokabular der Ökologie. Eine endlose Wirbelsäule mit komplex gegliederten Fingerknöchel-Wirbeln wird zu einem mechanischen System, das Zusammenhänge von „Knochenarbeit“, Maschinenbedienung und Zentralsteuerung suggeriert; eine Ameisenkolonie wird in postmoderner Gesellschaftsanalogie zum geeigneten Prototyp einer Megamaschine.

Trotz der implizierten Immediatät dieser Medien benötigt das Unmittelbare kein Medium. Umgekehrt kann auch ein Medium nicht unmittelbar sein, da dies seine intervenierende und in Relation setzende Qualitäten überflüssig machen und die Trennung zweier Elemente aufheben würde.[1] Dennoch ist es diese imaginierte und erwünschte Unmittelbarkeit, die unsere Handlungen und Fantasien formt. Jenseits des schmierigen Black Mirrors des Touchpads, der Taktilität für seine Gestensteuerung fordert, werden die Prozesse im Innern des Geräts unsichtbar gemacht – ein Unsichtbarmachen, das das Phänomen beim Drücken eines Hebels oder Umlegen eines Schalters übersteigt.

Die Materialität der übermittelnden Apparate verstreut sich im Ausstellungsraum. In Mediationen zwischen Ökonomischen und Ästhetischen, Inneren und Äußeren, Objekten, (abweseneden) Körpern und dem Raum, kursieren unterschiedliche Grade von (Un)sichtbarkeit, Durchlässigkeit und (Im)medialität.

[1] Florian Sprenger, Medien des Immediaten. Elektrizität – Telegraphie – McLuhan. p. 10